„Ich mach mal die Uhr aus …“

Das ist ein Satz, den ich nur schwer über die Lippen bringe. Wie bei jedem Taxifahrer zwackt auch bei mir ständig der Geldbeutel, und wenn man dann endlich mal Kundschaft an Bord hat, dann soll die gefälligst auch den Preis zahlen, den es bis zu ihnen kostet. Aber mal ehrlich, das trifft natürlich nur auf die kürzeste (mögliche) Strecke zu.

Um die bemühen sich die meisten Kollegen unter uns, der eine mehr, der andere weniger. Ich als Nachtfahrer vermeide wirklich nur die übelsten Ruckelpisten – ohne besonderen Wunsch der Kundschaft halte ich mich da ans Maximum. Ja, manchmal hab ich sogar Spaß daran, Leuten, die 20 Jahre länger in Berlin wohnen als ich, die kürzere Route zu zeigen, von der sie glaubten, es gebe sie nicht. Nicht, weil ich scharf darauf wäre, weniger Geld zu verdienen, sondern weil die meisten es ohnehin irgendwann merken würden. Und dann wäre ich einer dieser „Kollegen“, wegen denen man lieber kein Taxi mehr nimmt. Nee, nee …

Heute Nacht aber hab ich mich schlicht und ergreifend verfahren. Der Fahrgast wollte zum Kiehlufer, und da ich das normalerweise nur befahre, wenn ich mich auf dem kürzesten Weg vom Ostbahnhof zum Estrel durchschlage, hab ich gar nicht mehr weiter auf den Kunden gehört, als der – eigentlich deutlich vernehmbar – „Ecke Wildenbruch“ zum Besten gab.

Er ist nicht einmal skeptisch geworden, aber mir selbst sind seine Worte plötzlich in den Sinn gekommen, als ich von der Elsenstraße links in die Kiefholz eingebogen bin, in Gedanken auf dem Weg zu Teupitzer. Ich hab mich kurz entschuldigt, ihm erklärt, was ich gerade verbockt hatte, und nachgeschoben, dass ich die Uhr natürlich früher ausmachen würde.

Hab ich getan, hat mich am Ende vielleicht einen Euro Umsatz gekostet. Und mich auf ziemlich blöden 9,20 € anhalten lassen. Aber – wie so ziemlich immer nach so einer Ansage meinerseits – nestelte es auf der Rückbank heftig im Kleingeldfach und ich hab die Tour mit 2,80 € Trinkgeld abschließen können. Für meine Ehrlichkeit.

Der Umweg, den ich hätte fahren müssen, um DAS alleine durch den Umsatz zu erreichen … den will ich mir besser nicht einmal ausmalen. 🙂

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