Ostern 2013

Ach, was hätte ich Euch dieses Jahr auch mit einem tollen Osterfoto beglückt. Kam mir öfter mal in den Sinn, ehrlich. Auf der anderen Seite wäre ein billiger Abklatsch ja auch allenfalls als Aprilscherz durchgegangen – wobei das ja zufällig dieses Jahr ebenso gut gepasst hätte. Rein vom Wetter her wären ja ohnehin auch Weihnachtsdekorationen eine Option gewesen.

Und obwohl ich mit dem ganzen Rumgeostere eigentlich gar nichts am Hut hab, haben sich die Feiertage irgendwie ins Nichts verkrümelt. Waren plötzlich vorbei. Also abgesehen von den sechs Stunden, die ich versucht habe, tatsächlich zu arbeiten – die haben sich angefühlt wie zwei vollwertige Schichten in Punkto Langeweile.

Ich weiß, es finden sich auch jetzt bestimmt wieder Kollegen, die prächtigste Umsätze hatten, bei mir ist Ostern irgendwie jedes Jahr maximal so eine Art Rumgeeier. Da krieg ich irgendwie keinen Fuß auf den Boden, bzw. keinen Euro ins Portemonnaie. A prospos mein Portemonnaie: Andreas hat mir erlaubt, auch hier schamlos Werbung für mein eBook zu machen. Mutig von ihm, dass er das getan hat, bevor er’s gelesen hat – aber letztlich steht da vor allem drin, dass meine Jobs vor dem hier im Taxihaus-Berlin wesentlich bekloppter waren. 😉

Leider hab ich’s gestern nicht hingekriegt, noch etwas Werbung für’s Taxihaus im Radio unterzubringen, aber da bin ohnehin kaum zu Wort gekommen. Neben dem Lösen eines noch etwas kompliziert erscheinendes Computerproblem hier im Büro steht jetzt aber nur noch an, endlich mal wieder ein Thema für einen Blogeintrag hier zu fi … Moment mal! Haha, fertig! 🙂

Einladungen

Andreas hatte nicht zu viel versprochen, als er mir vor bald vier Jahren sagte, dass Taxifahren einer der wenigen Jobs sei, bei denen man nette Frauen kennenlernen und umgehend mit ihnen ausgehen könnte, weil man bei der Arbeit so flexibel sei.

Ich vermute mal, die Kollegen wissen, was gemeint ist. Ich selbst kann ja beispielsweise optisch nur schwer mit Brad Pitt und Johnny Depp mithalten, bekomme dennoch hier und da mal wieder das ein oder andere Angebot. Abgesehen von den ganz eineindeutigen sind aber tatsächlich öfter mal nette Sachen dabei: Hier mitfeiern, dort was trinken, auch mal was zu essen.

Meine Schamgrenze ist relativ niedrig, ich lehne keinesfalls alles aus Prinzip ab. Dennoch ist in nunmehr vier Jahren Nachtschicht nicht mehr daraus geworden als eine Currywurst mit zwei Tiroler Frauen beim Curry 36. Das ist meines Erachtens nach nicht nichts, aber natürlich weit weniger, als ich hätte bekommen können. 😉

Ich würde gerne mal wissen, was anderen Kollegen schon alles angeboten wurde und – das natürlich besonders – was sie dann angenommen haben. Gibt sicher auch einige Dinge, an die ich jetzt nicht sofort denke …

Ich bin echt gespannt. 🙂

Gedanken über MyTaxi

Ich hab mich ja nach langer Zeit der Unentschlossenheit auch mal bei MyTaxi angemeldet. Schöne Sache, dass das mit der Abrechnung hier im Taxihaus alles übers Büro läuft, der Aufwand ist für mich als Fahrer minimal gewesen. Wenn man mal davon absieht, dass eine Mail bei mir im Spamordner gelandet ist und sich so alles ein wenig verzögert hat …

Ich wollte schon lange mal was dazu schreiben, so wirklich was essentielles ist aber nie dabei herausgekommen. Ich hab einfach zu wenige Fahrten bisher. Hier mal zwei unspektakuläre, da eine Fehlfahrt – ansonsten eine Menge Aufträge, die einfach zur unpassendsten Zeit gekommen sind. Deswegen wollte ich mal nachfragen, ob irgendwelche mitlesenden Kollegen vielleicht ein paar Worte verlieren wollen. MyTaxi hat in Berlin ja inzwischen unter uns Fahrern eine Reichweite, die der der großen Zentralen ebenbürtig ist – da sind meine Worte ohnehin kein Kriterium. Schon alleine, weil mein Handy gelegentlich die Flügel streckt, je mehr es in die Jahre kommt.

Ihr müsst auch nicht kommentieren, ich würde Erfahrungen gerne direkt bloggen. Ihr könnt also auch eine Mail an sashbeinacht(at)googlemail.com schicken.

Tegel ohne Schikane

Ein besonders liebliches Detail aus dem Irrsinn, der gelegentlich Taxigewerbe genannt wird, wurde mir gestern mitgeteilt:

Nach Drohungen von TaxiDeutschland, die Fahrgäste am Flughafen an der Tankstelle (!) rauszulassen, hat die Flughafengesellschaft wohl ein Einsehen, dass Taxifahrer für das Anliefern von Fluggästen nicht mehr bestraft werden, nur weil sie kurzfristig ordnungswidrig stehen.

Das kann man nun wirklich nur begrüßen.

Ich bin ja sonst gerne der Meinung, dass man sich auch als Taxifahrer weithin an die Verkehrsregeln halten sollte – aber der Flughafen Tegel ist ja ein Witz diesbezüglich. Ich meide diesen verkehrstechnischen Super-GAU ohnehin, wo es nur geht. Aber jedes Mal, wenn ich eine Bestellung dorthin habe, bin ich von neuem überrascht, wie wenig ein Flughafen den heutigen Ansprüchen genügen kann. Kraut und Rüben wachsen ja vergleichsweise ordentlich gegen das, was da im Kreisel in Tegel passiert.

Aber schön, dass in Berlin an irgendeinem Flughafen wenigstens auch mal irgendwas positives passiert. 🙂

Gedanken übers Müdesein

Was hab ich mir die Tage den Kopf zerbrochen, was ich schreiben könnte. Der Alltag im Taxi ist gemeinhin Inspiration genug, alleine mir blieben die Kunden mit den großen Themen fern. Jetzt sitze ich gerade von der Welt wenig begeistert – weil seit gestern um 4 Zähne ärmer – zuhause und muss über Arbeitsunfähigkeit nachdenken. Da ich mich aber eigentlich von meinen Zahnschmerzen ablenken will, dachte ich daran, das Thema Müdigkeit einmal mehr zu streifen. Ist ja insbesondere in der Nachtschicht im Taxi nicht ganz bedeutungslos. Die Thematik hat zwar bei den Gedanken über den Feierabend schon einen Streifschuss erlitten, aber so ganz erlegt isses eben noch nicht. Und wir wollen es ja mal nicht länger leiden lassen, oder?

Wir Taxifahrer haben ja das große Glück, über unsere Arbeitszeit recht frei bestimmen zu können. Da hab ich zwar aus anderen Betrieben auch schon schlimmes gehört – aber ich arbeite nunmal hier im Taxihaus-Berlin und hier ist genau einer für meine Arbeitszeit zuständig: ich selbst. Dabei liegen uns angestellten Fahrern sogar noch die teilweise recht engen Fesseln des Arbeitnehmerschutzgesetzes an, die zahlreichen Selbständigen sind in diesem Punkt ja im Grunde alleine ihrem Gewissen verpflichtet.

– kurzer Einschub –

Obgleich ein grundsätzlicher Freund von Arbeitnehmerschutzgesetzen, hasse ich die Arbeitszeitregelung als Taxifahrer Es gibt Schichten, da verpennt man Stunde um Stunde an der Halte, macht sich einen gemütlichen Abend und vertritt sich nach jeder fünfminütigen Tour die Beine beim Gespräch mit den Kollegen. Arbeitsrechtlich Pause ist davon kaum was, man kann es allenfalls nachträglich so umdefinieren. Wenn es dann nach 8 Stunden endlich mal besser läuft, bewegt man sich hart an der Grenze zur Illegalität, wenn man noch ein Weilchen weitermacht, obwohl man zu diesem Zeitpunkt manchmal fitter ist als zu Schichtbeginn kurz nach dem Weckerklingeln. Das ist absurd, so lange wir in unserem Job nicht ausgelastet sind!

– Ende des kurzen Einschubs –

Ungeachtet der Länge der Schicht selbst ereilt einen gelegentlich einfach mal ein Totpunkt. Man wird müde, schläft womöglich tatsächlich fast ein, wir kennen das alle! In der Regel lässt sich das mit Kaffee, mit einem offenen Fenster, einem Nickerchen an der Halte, einer kleinen Pause im Freien oder ähnlichem beheben. Manchmal ist aber einfach alles vorbei: Die Schicht ist eigentlich gelaufen, aber uns fehlt halt doch noch der Zehner, um wenigstens einen Hunni eingefahren zu haben. Vielleicht wollen wir sogar schon Feierabend machen, aber es winkt noch ein netter Auftrag eines Stammkunden bis zum Flughafen …

Und wahrscheinlich ist jeder einzelne dabei schon einmal über seinen Schatten gesprungen. Oder? Wohlwissend, dass man Augenringe hat, die beinahe bis zum Kinn reichen, wohlwissend, dass man ohne das offene Fenster selbst im Innenstadtverkehr einpennen würde. Irgendwie finde ich das persönlich schade, denn ich vermute, dass darauf etliche der so unerfreulichen Unfälle im Gewerbe zurückzuführen sind. Wir sind bessere Fahrer als die meisten, das stimmt. Aber wir sind auch nur so lange besser, so lange wir unsere Erfahrung und unsere antrainierten Reflexe abrufen können, wenn wir fit, wenn wir voll da – wenn wir wach sind.

Wir brauchen keine alberne Debatte darüber führen, was wir alles schon für tolle lange Schichten hatten. Das ist klasse und ich freue mich auch, wenn ich mal am Wochenende erst um 7.30 Uhr den Wagen abstelle, weil es sich gelohnt hat. Und wir brauchen die Tage von der Kohle her, das ist klar. Natürlich tut’s nach dem ersten Gähnen noch ein Kaffee und nach dem ersten schadet vielleicht auch ein zweiter nicht. Ich hab auch immer – wirklich immer! – Koffeintabletten dabei, die mich im Notfall nochmal kurz hochpushen. Aber wenn man am Stand nicht einmal mehr von der Hupe aufwacht oder – wie Andreas es mal sehr eindrücklich und wahrheitsgetreu beschrieben hat – die Mülltonnen auf der Straße langsam zu Winkern werden …

Dann ist es wohl Zeit. Selbst, nein: gerade für die besten von uns. Und welcher Zehner bitte fährt sich nicht in fittem Zustand wesentlich leichter ein?

Das mit den kurzen Fahrten …

Die meisten meiner Leser wissen ja: ich bin in keinerlei Hinsicht ein Kurzstreckenmuffel. Im Gegenteil, ich hab das Gefühl, meistens sehr viel Glück damit zu haben, einer von den Fahrern zu sein, die die Kunden noch fröhlich begrüßen, wenn es nur um’s Eck geht. Aber da ich eben auch wirklich jede Tour fahre (Matrix zur Glühlampe, Ostbahnhof zum Berghain etc.) ist natürlich mein Überblick über alle Fürs und Widers der Sache unzureichend. Ich werde sicher nicht meine Meinung ändern, dass das so auch richtig ist – aber es würde mich mal interessieren, wie die Kunden und Kollegen darüber denken. Deswegen hab ich hier mal zwei Umfragen, eine für Fahrer (nicht nur aus Berlin und schon gar nicht nur vom Taxihaus!) und danach eine für unser aller Kunden. Ich würde mich über eine rege Teilnahme freuen. Kommentare sind natürlich ebenso erwünscht, hier bitte bedenken, dass die Freischaltung ggf. etwas dauern kann.

Sowohl an Fahrer und Kunden geht übrigens die Bitte: Seid ehrlich, es ist anonym. Und fragt ruhig auch mal andere!

Los geht’s:

Liebe Kollegen, Hand auf's Herz: Lehnt ihr kurze Fahrten ab?

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Und Nummer 2:

Liebe (potenzielle) Kunden: Was ist eure Reaktion auf's Ablehnen einer kurzen Tour seitens des Taxifahrers?

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Aus der Mode: Taxen?

Die Modemessen in Berlin und Umgebung sind fürs Erste vorbei. Die Eindrücke sind gemischt, die Umsätze in unseren Taxen vom Hörensagen her deutlich niedriger als die Jahre zuvor. Wäre alles keine Meldung wert, wäre nicht südlich von Berlin einmal mehr das Schaulaufen aller am Taxigewerbe Beteiligten bunter gewesen als die schrägen Vögel der eigentlichen Laufstege.

Die Panorama-Messe auf dem ILA-Gelände in Selchow Mitte Januar schwor offenbar auf Berliner Taxen und lud uns ein. Zahlreiche Aufträge wurden versprochen, mit den zahlenmäßig unterlegenen und zudem teureren Kollegen aus LDS wollten sich die Betreiber nicht abgeben. Sie bestellten Berliner Taxen quasi en gros vor und arbeiteten mit den Verbänden ein Konzept zur vernünftigen Umsetzung aus.
Das war natürlich zu schön, um wahr zu sein.

Irgendwer im Landkreis LDS kam auf die Idee, dass es ja mal gar nicht gehen könne, wenn die Kunden sich ihre Taxen selbst aussuchen – und setzte das Straßenverkehrsamt KW darauf an. Das teilte auch prompt im Interesse der eigenen Kutscher aus und zerschlug den Berliner Plan mit der Androhung von rechtlichen Konsequenzen. Den Betreibern der Panorama wurde in etwa erklärt, dass Taxen als öffentliche Verkehrsmittel sich niemals nicht auf privatem Raum bereithalten dürften. Wenn sie dennoch eine Bereithaltung von Taxen planen würden, so sei der Bereich dafür quasi vorübergehend als öffentlich zu deklarieren, damit rechtlich öffentlich und folglich für Berliner Taxis tabu, da ja im Landkreis LDS gelegen.

Mit dieser Strategie, einen Tag vor Messe-Eröffnung, hatte das Amt Erfolg. Ein schnelles Umdisponieren im Rahmen der nun recht eng definierten rechtlichen Grenzen war für alle an der Planung beteiligten Berliner nicht mehr machbar, fast alle anderen Optionen (doppelte Halte etc.) schloss der Beschluss ebenso aus. Um eine geregelte Abfahrt von Süd-Berlin aus möglich zu machen, war wahrscheinlich einfach die Vorlaufzeit zu kurz.
Die Berliner Senatsverwaltung meldete sich auch kurz angebunden und verkündete, dass man das wohl so hinnehmen müsse.

Nun gut. Ohne Experte zu sein wage ich mal die Bahauptung, dass das rein rechtlich in Ordnung geht. Und wenn nicht, dann darf das Geheule ruhig auch klein ausfallen, da die Fahrgastzahlen ganz offensichtlich nicht atemberaubend waren. Schnee von gestern.
Interessant ist es aber deswegen, weil plötzlich Politik gemacht wird mit dem, was wir sind: öffentliche Verkehrsmittel!
Das ist prima, manchmal vergessen wir Taxifahrer das ja gerne selbst. Die meisten amtlichen Touristeninfos führen uns unter den Öffentlichen gar nicht auf und an den Flughäfen fängt mit dem Unternehmen Apcoa langsam das Eingreifen von privaten Firmen in den Taxitarif an.

Im Senat sind wir ganz offensichtlich schon lange aus der Mode – da ist es doch feinster Zynismus, dass sich das prompt an einer Modemesse exemplarisch nachvollziehen lässt. Und auch wenn wir in Anbetracht der Umstände vielleicht neidisch nach LDS schauen, wo das örtliche Amt dem Gewerbe offenbar aus der Hand frisst: im Grunde haben auch die nur eine Entscheidung GEGEN engagierte Taxifahrer getroffen!

Die Straßen sind marode, die S-Bahn fährt seit Jahren nicht nach Normalfahrplan wer von uns die Flughafeneröffnung noch erleben will, sollte schon mal auf gesunde Ernährung umsteigen. Wenn jetzt noch das Taxigewerbe auf Dauer schachmatt gesetzt wird, bleibt im Großraum Berlin der 2010er Jahre  wohl nur noch ein erfolgreiches Verkehrsprojekt: der Tunnelbau in die Steglitzer Bank. Hab allerdings gehört, das wäre von öffentlicher Seite aus auch nicht so wirklich erwünscht …