Obamas Besuch in Berlin
Da kommt er nun also eingeschwebt, der Obama. Hier zu uns nach Berlin. Das hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal, damals war der ach so sympathische Kerl aber noch nicht wirklich Präsident. Er hatte zwar gute Aussichten, immerhin so gute, dass sich der Oberschmierfink Kai Diekmann, seines Zeichens BILD-Chefredakteur, an ihn ranwanzte – aber es mussten damals noch nicht die Gullideckel zugeschweißt werden. Ein Vorgehen, das überhaupt erst seit dem Besuch des letzten Papst-Besuchs in Mode gekommen zu sein scheint.
Gullideckel sind für mich als Taxifahrer jetzt eher uninteressant. Der Rush-Hour-Verkehr wäre zwar sicher erträglicher, könnte man mit seinem Auto auch auf die Kanalisation ausweichen, besonders erstrebenswert würde ich das aber so oder so nicht nennen. Viel wichtiger ist einmal mehr, was für ein Bohei in Form von Straßensperren gemacht wird, denn offenbar ist es inzwischen Usus, für einen amerikanischen Präsidenten schon Tage vorher Plätze und Straßen sperren zu lassen.
Mir sind die Gründe wohl bewusst. Wer weiß schließlich, wie z.B. der kalte Krieg ausgegangen wäre, hätte man 1963 in Dallas bereits eine Sperrung von Schulbuchdepots veranlasst …
Wieso meine Kollegen aus der Tagschicht in den nächsten Tagen verfluchen werden, dass Berlin eine politisch relevante Stadt ist, bleibt eine unschöne Frage. Immer mehr werden Freiheiten eingeschränkt, um diese oder jene “Terrorgefahr” – oder eben ein Attentat auf einen Präsidenten – zu verhindern. Als ob es nicht viel wahrscheinlicher wäre, dass ein Autounfall das Leben eines Staatsmannes beendet – oder ein Flugzeugabsturz, wie unlängst die Polen mitbekommen mussten.
In der letzten Woche ist bekannt geworden, dass amerikanische Geheimdienste im großen Stil die Internetkommunikation überwachen. “Prism” ist das Stichwort der Stunde; die Befürchtung, dass das passiert, ist weit älter und hat selbst mit dem umjubelten Hollywoodfilm “Der Staatsfeind Nr. 1″ im Jahre 1998 allenfalls nachträglich eine Würdigung erhalten. Die Abwägung zwischen Freiheit und Sicherheit ist so alt, dass eines der bekanntesten Zitate zum Thema ausgerechnet von einem großen amerikanischen Staatsmann des 18. Jahrhunderts stammt:
“Diejenigen, die bereit sind grundlegende Freiheiten aufzugeben, um ein wenig kurzfristige Sicherheit zu erlangen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.”
Natürlich: Hochtrabende Worte. Insbesondere, wenn es um die Frage geht, ob man sich darüber ärgert, dass die Straße des 17. Juni nun schon zum gefühlt zwanzigsten Mal dieses Jahr gesperrt wird. Aber vielleicht immer noch besser, als die nüchterne Erkenntnis eines meiner Fahrgäste, der bei einem Zwangsstopp aufgrund eines offenbar wichtigen Staatskonvois sagte:
“Na, wenn die Merkel jetzt den Herrn Sauer halt flott mal Königsberger Klopse kochen soll, dann is dit halt so!”