Wir nehmen Abschied

Wie wir heute mit Bestürzung erfahren haben, ist einer unserer Taxifahrer, unser hoch geschätzter Kollege Raif, in den letzten Tagen verstorben.

Taxifahrer aus Passion: Raif (Foto von 2004)

Trotz seiner noch sehr überschaubaren 58 Jahre war Raif das, was man einen Taxifahrer der alten Schule nennen könnte. Stets mit Hemd und Krawatte war er seit einer Dekade in einem unserer Taxis auf den Straßen Berlins anzutreffen. Während die Kollegen ihn als loyalen Fahrer kennenlernen durften, beeindruckte er seine unzähligen Fahrgäste mit stetiger Freundlichkeit und einem Arbeitseifer, der manches Mal beinahe gebremst werden musste.

Eine der letzten guten Taten von Raif war das Aufspüren jenes Fahrgastes aus Leipzig, der sein iPad im Taxi liegen ließ, sicher einer von vielen Kunden, die sich wie wir immer wieder auf seine Ehrlichkeit verlassen konnten.
Wir haben Raif hier im Taxihaus-Berlin zum Taxifahrer ausgebildet und ihn die letzten 10 Jahre stets mit Freude zu unseren Kollegen zählen dürfen. Wir wünschten, es wären noch etliche weitere Jahre hinzugekommen.

Unser Beileid gilt der Familie und allen Freunden.

Du wirst uns fehlen, Raif!

Wunderliche Bäume

Während sie im Alltag glücklicherweise seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts kontinuierlich an Bedeutung verlieren, stellt sich doch die Frage, weswegen der Horror “Wunder-Baum” im Taxi nicht wirklich totzukriegen ist.

Der mir wohlbekannte Duft, der mich jedes Mal an aufgemotzte Kisten von Leuten erinnert, für die zur entsprechenden Zeit der Begriff “Halbstarke” noch nicht veraltet war, finden sich die Bäumchen heute gerne in der ein oder anderen Taxe. Und wie seit Anbeginn ihrer Zeiten natürlich nicht wie vom Hersteller empfohlen mit angerissener Verpackung, sondern gänzlich nackt, all ihre olfaktorische Belästigung auf einmal verbreitend.

Warum die Dinger irgendwann mal cool waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Inzwischen sind sie leider eher zu einem Symbol geworden für die Kollegen, die sich mit dem Rauchverbot in Taxen nicht wirklich anfreunden können und glauben, seine Umgehung mit den gewöhnungsbedürftigen Düften übertünchen zu können – was ein der Regel einen eher traurigen Versuch darstellt.

Irgendwelche Befürworter der Teile muss es geben, sonst wäre das ja kein Thema. Ich persönlich denke mir meinen Teil. Und ganz ehrlich: Wer nicht im Taxi raucht, auf die gelegentliche Dusche, frische Klamotten und Deo nicht verzichtet und öfter mal durchlüftet, kommt eigentlich hervorragend ohne die Teile aus. Ich zitiere hier gerne einen Fahrgast:

“Mensch, bei ihnen im Auto riecht es aber angenehm. Bei vielen ihrer Kollegen ist es eher so… muffig.”

Und ja, ich bin selbst Raucher.

Freiwillig Taxifahren?

Über den Beruf des Taxifahrers wird ja viel gemunkelt. Dass es nicht der Job ist, mit dem man mal eben schnell reich werden kann, ist inzwischen weitgehend bekannt. Das ist hier in Berlin so, das ist aber auch in anderen deutschen Städten nicht anders. Und es ist auch definitiv kein 08/15-Job, den man mal eben so nebenher macht. Gerade hier in der Hauptstadt ist die Ortskundeprüfung schwer, man sollte gar eine Taxischule besuchen – wozu all diese Mühen auf sich nehmen? Ist Taxifahrer wirklich ein Traumberuf? Immerhin hat man ständig fremde Menschen um sich, man kann sie sich nicht einmal wirklich aussuchen. Die Bezahlung lässt zumindest zu wünschen übrig, der Ton auf der Straße ist manches Mal rau…

Wir sind ein Taxiunternehmen. Und wir suchen Leute. Wir müssten ja eigentlich einfach in den höchsten Tönen davon schwärmen, wie toll es ist, Taxifahrer in Berlin zu sein. Oder? Na klar! Aber es ist gar nicht so leicht, zu beschreiben, was uns eigentlich in diesem Gewerbe hält. Das Geld alleine ist es sicher nicht. Aber da können wir ja viel erzählen, nicht wahr?

Versuchen wir es ohne lobende Worte von uns selbst: Zwei Entscheidungen eines geschätzten Kollegen hier im Taxihaus haben uns derletzt gezeigt, wie gerne man den Beruf des Taxifahrers haben kann. Und die – so ehrlich muss man sein – haben uns verblüfft. Die erste Entscheidung war, Lotto zu spielen. Da kann man geteilter Meinung sein – schließlich weiß jeder, wie schlecht die Chancen stehen, mal das wirklich große Los zu ziehen. Unser Fahrer hat es dennoch getan und er hat gewonnen. Natürlich bewahren wir bezüglich seines Namens und des Betrages Stillschweigen, aber es ist ganz eindeutig eine Summe, die seine Einkünfte als Taxifahrer weit übertrifft und ihm künftig ein sorgenfreies Leben bescheren könnte.

Seine zweite Entscheidung ist umso schöner: Er wird seinen Job trotz Lottogewinn nicht an den Nagel hängen. Er wird Taxifahrer bleiben und er bleibt sogar dem Taxihaus-Berlin als Angestellter treu. Die Begründung dafür war knapp und hat uns irgendwie allen aus der Seele gesprochen:

“Sonst würde mir einfach was fehlen.”

Taxi-Demo am 23. April 2012

Die Taxi-Regelungen um den neuen Flughafen BER scheinen sich nicht in eine vernünftige Richtung entwickeln zu wollen. Die Entscheidung zwischen sinnvoll und weniger sinnvoll war gestern, inzwischen schwanken die Vorstellungen von Betreiber, Land und den anderen Beteiligten nur noch zwischen absurd und bizarr.

Wie üblich soll unsere ohnehin nur noch spärlich vorhandene Kundschaft am Ende die Kosten tragen – noch dazu völlig unberechenbar. Ob zusätzliche Flughafen-Gebühr, unterschiedliche Tarife je nach Fahrtstrecke – es scheint keine Grenzen mehr zu geben, den einfachen und verständlichen Berliner Taxitarif auszuhöhlen und zu verkomplizieren. Der Kundschaft diesen Pfusch erklären dürfen wir als Taxifahrer dann wieder, ebenso dürfen wir die Beschwerden entgegennehmen.

Berlin will eine Weltstadt sein, baut einen Weltstadtflughafen? OK. Dann sollen sie aber auch das Taxigewerbe nicht vergessen und die vielen Fahrgäste – dann soll Berlin auch einen einer Metropole angemessenen Tarif haben, der von allen verstanden wird und bezahlbar ist!

Sämtliche Berliner Taxi-Gewerbevertretungen haben sich deswegen darauf geeinigt, die Gefahr für Taxifahrer und -unternehmen nicht einfach abzunicken, sondern zu demonstrieren.

Am Montag, dem 23. April 2012, zwischen 8.30 Uhr und 14.00 Uhr stehen die Zeichen auf Sturm und wir hoffen, dass sich möglichst viele Kollegen an der angedachten Sternfahrt zum Brandenburger Tor beteiligen!

Nähere Infos gibt es im Demo-Aufruf (hier als PDF)

Taxifahrer und Abzocker

In letzter Zeit werden mir immer wieder Links zu irgendwelchen Zeitungen (leider meist Boulevardpresse, die ich ungerne prominent verlinke) geschickt, in denen vor betrügerischen Taxifahrern in Berlin – insbesondere am Flughafen Tegel – gewarnt wird. Diese widerlichen Aasgeier, die kein Kollege ernsthaft noch als Taxifahrer bezeichnen würde, verlangen absurde Fantasiepreise für Fahrten in die City von Berlin, teilweise im dreistelligen Bereich.

Dazu sollte man wissen, dass Fahrten in die City West beispielsweise selten über 20 € kosten können, Preise über 100 € sind schlicht für keinen einzigen Punkt innerhalb der Stadt machbar. Selbst wenn man die schnellste statt der kürzesten Route wählt, ist auf jeden Fall etwas faul. Auch ins entlegene Schmöckwitz sollte man für unter 60 € kommen. Mit Hilfe eines Routenplaners und eines Taxi-Tarifrechners (beispielsweise hier) kann man den ungefähren Fahrpreis auch im Vorfeld oder Nachhinein berechnen.

Da es scheinbar niemand in Berlin schafft, diesem Treiben vernünftig Einhalt zu gebieten, kann man nur immer wieder dazu raten, ein wenig vorsichtig zu sein. Damit meine ich nicht, dass man deswegen jeden Taxifahrer eines Betrugs bezichtigen sollte, wenn man sich nicht ganz sicher ist. Nach wie vor machen die meisten Fahrer einen guten Job und transportieren ihre Fahrgäste nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Tarif.

Wenn man sich unsicher ist, sollte man sich auf jeden Fall eine Quittung geben lassen. Auf dieser Quittung muss – auch das ist gesetzlich vorgeschrieben! – nicht nur der Preis stehen, sondern (neben anderem) ebenso die Anschrift des Unternehmens und die Konzessionsnummer des Taxis. Letztere muss identisch sein mit der Nummer, die sich auf einem gelben Schild in der Heckscheibe des Fahrzeugs – von außen und innen lesbar! – befindet.

Auch wenn man Fälschungen nie sicher ausschließen kann, hat man mit einer Quittung etwas in der Hand, mit dem man sich dann ans LABO wenden kann, die Betrugsfällen im Taxigewerbe nachgehen.

Jeder Hinweis nach einer betrügerischen Fahrt ist wichtig und die ehrlichen Taxifahrer in Berlin sind dankbar dafür!

Nochmal frohe Ostern!

Unsere 1925 im Osterdesign, Quelle: Sash

Ja, mit so einem Taxi lässt sich sogar das traditionell eher flaue Ostergeschäft ganz gut bewältigen ;)

Presseerklärung der Taxiverbände zu BER

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: ALLE Berliner Verbände haben sich darauf einigen können, die geplante Regelung am künftigen Flughafen BER abzulehnen. Ich persönlich hätte ja nicht mehr darauf gehofft, jemals ein Dokument mit all diesen Logos auf einer Seite zu sehen, aber werten wir es als großen Fortschritt:

Presseerklärung zu BER-1

Die Zusammenfassung der gemeinsamen Presseerklärung: Die Innung des Berliner Taxigewerbes, TaxiDeutschland, der Taxi Verband Berlin Brandenburg, die Berliner Taxivereinigung und die Interessengemeinschaft iranischer Taxiunternehmer Berlin fordern: keine Gebühren für Taxis an Flughäfen, Bahnhöfen und Messen!

Was auch nur folgerichtig ist. Wenn die Betreiber oder Veranstalter auf das Taxigewerbe angewiesen sind, dann gehört das eben zu ihren Aufgaben, uns die Anfahrt zu ermöglichen. Warum unsere Unterstützung ihnen letztlich Geld einbringen soll – zudem welches, das wir dann an unsere Kundschaft weitergeben sollen – ist irgendwie unlogisch. Wir gehören zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, sollen künftig die BVG-Preise am Hauptbahnhof auch um 1,50 € angehoben werden, weil der Bahnhofsbau leider so viel gekostet hat?

Desweiteren fordern alle o.g. Vereinigungen: ein Preis für dieselbe Leistung! Je mehr Tarife, desto unübersichtlicher wird es für die Kundschaft, desto größer ist das Missbrauchspotenzial.

Dass eine Tarifänderung jetzt schon überfällig ist, entspricht nicht unbedingt unserer Meinung, dennoch stimmt es, dass es gilt, einen Tarif zu erarbeiten, der auch für den Flughafen tauglich ist.

Desweiteren drohen die Verbände Protestaktionen, Boykottmaßnahmen und Klagen an, sollten diese Forderungen beim Senat und der Flughafengesellschaft bis 16. April diesen Jahres auf taube Ohren stoßen.

Man darf gespannt sein!